Alstervital - Praxis für naturheilkundliche Prophylaxe
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Familienberatung

Jürgen Tietge

Immer mehr Eltern kommen in meine Sprechstunde, weil sie ratlos sind – verzweifelt: Sie suchen dringend Hilfe. Aus ihren geliebten Kleinen sind plötzlich Heranwachsende geworden -  anstrengend, aufsässig und ungezogen. Was ist geschehen: hat das Kind nicht genügend Liebe bekommen, Aufmerksamkeit und Zuwendung – wurde alles falsch gemacht?

Vorangestellt werden muss zunächst einmal, dass Eltern, die sich bewusst Kinder als Lebensinhalt einer Familie wünschen, sich einer nicht gerade leichten Aufgabe zu stellen haben, insbesondere unter den Rahmenbedingungen unseres heutigen gesamtgesellschaftlichen Umfeldes.

Überall in unserem Lande werden Montessori-Schulen gegründet, auf normalen Schulen werden Klassen besonderer pädagogischer Prägung eingerichtet, die Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen haben Wartelisten. Woher diese seit einigen Jahren zu beobachtende, langsam steigende Hinwendung zur Anthroposophie? Warum der Wunsch vieler Eltern ihre Sprösslinge auf Privatschulen unterzubringen? Und warum will die Politik diese Entwicklung  möglichst verhindern? Die Antworten liegen eigentlich recht klar auf der Hand: Die Staatsschule ist ziemlich abgewirtschaftet. Gäbe es nicht doch noch eine in Teilbereichen des Schulsystems integrierte engagierte Lehrerschaft, wäre dieses System nach den langen Jahren des „Herumfummelns“ mit immer neuen – wie es genannt wird – Reformen, könnten die überforderten, genervten und pädagogisch wenig kompetenten Lehrer in der „Rankinglist“ wohl die Schlusslaterne halten. Der durchschnittliche Bildungsstand von Grund- Haupt- und Realschülern ist erschreckend niedrig. Und dies ist ja das Dilemma: Die Eltern auch aus nur schwachen Bildungsschichten konnten sich noch vor 40 Jahren darauf verlassen das selbst Volksschüler, wie man seinerzeit die Hauptschule nannte, mit einer gewissen Allgemeinbildung die Schule verließen. Die Chance bei entsprechendem Wunsch sich dann weiter zu bilden war durch diesen Grundstock gesichert, man hatte Ansatzpunkte.  

Bedauerlicherweise ist dieser Zustand schon ziemlich weit fortgeschritten: Einer großen Anzahl Eltern fehlt schon das Potential ihren Kindern Anreize zum Lernen von Dingen des täglichen Lebens zu bieten. Kinder kommen auf die Welt und lernen von ihrem ersten Atemszug an, zunächst rein reflektorisch, sich in der Welt ihres ersten Lebensjahres zurechtzufinden. Und sie finden sich zurecht, sie lernen und bauen ein unglaubliches Potential an Wissen auf und sammeln erste prägende Erfahrungen. Irgendwann kurz vor Eintritt in die Schule hören viele Eltern aus den unterschiedlichsten Gründen auf, das Potential ihrer Kinder weiter auszubauen. Und dies geht durch sämtliche Schichten unserer Gesellschaft. Die Gründe sind vielschichtig und sollen hier nicht Gegenstand dieses Aufsatzes sein. Gerade diese Eltern sind aber ganz besonders davon überzeugt, das sie ja alles für ihre Kleinen tun, ihnen wird ja alles nur Mögliche geboten, man liebt ja schließlich sein „eigen Fleisch und Blut“!  Und so werden die Kleinen bereits mit allem was die einschlägige Industrie an Schrott zu bieten hat zugeschüttet. Für das Lernen übrigens, sei ja die Schule da. Die Kinder werden also recht schnell unterfordert und so ganz einfach werden aus den süßen Babys auch kleine Teufelchen. Ihnen wird zu wenig abverlangt, ihnen wird in der häuslichen Solidargemeinschaft zu wenig Verantwortung übertragen. Strukturiertes Arbeiten und Lernen, sich selbst disziplinieren lernen, Verzicht zu Gunsten Anderer oder Anderem üben, ist in den meisten Fällen den Eltern zu anstrengend. Sie haben es längst aufgegeben Vorbildfunktionen zu übernehmen, sie wissen gar nicht mehr wie dies geschehen soll! Und die Politik weis es scheinbar auch nicht, wie auch, denn sie sind ja aus dem gleichen Holz geschnitzt. Aber das Land braucht Ingenieure, Forscher, Lehrer, Dozenten, Wissenschaftler! Aber wo sollen die denn herkommen, wenn das vermittelte Wissen in der Regel nicht ausreicht und das Niveau immer weiter herabgeschraubt wird. Wie viele Nobelpreise hat denn unser Land nach dem zweiten Weltkrieg im Vergleich zu den Jahren nach 1900 erhalten, wie viel Patente wurden im internationalen Vergleich angemeldet? Selbst im europäischen Gesamtbild steht unser Land, unsere Jugend ziemlich kläglich da.

Dabei ist die Lösung so einfach, wenngleich anstrengend: Beschäftigen sie sich mit ihren Kindern persönlich – führen sie ihr Kind frühzeitig in die Literatur ein, lernen sie mit ihrem Kind gemeinsam, verbannen sie sämtliche Medienspiele bis zum 10. Lebensjahr aus ihrem Hause. Zeigen sie ihren Kindern, dass der PC ein reines Zweckinstrument, kein Spielzeug ist. Unterwerfen Sie sich nicht dem unglaublich geschickten Marketing der Computerspiel-Industrie. Zeigen sie ihren Kindern durch „vorbildliche Haltung“ wie unwichtig, ja kontraproduktiv dieser ganze Spektakel ist. Konsumieren sie gezielt und ausschließlich in der Freizeit mit Verstand das Fernsehprogramm. Auch deren Macher sind nur an Einschaltquoten interessiert, nicht an einer kompromisslos bildungssteigernden Programmgestaltung. Beginnen sie noch heute mit Motivierungsmaßnahmen zur Veränderung in ihrer Familie. Sollten sie selbst nicht dazu in der Lage sein, holen sie sich Rat! Aber verändern sie die Dinge die sich ändern sollen und scheuen sie nicht die in jedem Fall entstehenden – Diskussionen und Widerstände ihrer Kinder. Bleiben sie konsequent. Die Hinreifung ist mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen und bis dahin haben sie es in der Hand, das Potential ihres Kindes zu entdecken und es auszubauen. Entdecken sie Bedürfnisse und erfüllen sie nicht nur die Wünsche ihrer Kinder oder gar deren Forderungen

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